GRIMASSEN

Samstag, 21.März 2020 -> verschoben auf den

Samstag, 5. September 2020

Bar offen ab 18.30 Uhr
Theater 19.30 Uhr

Dauer 75 Minuten
Eintritt: Kollekte

Ein Spiel mit Texten von Karl Kraus und Musik von Jacques Offenbach, Matthias Hauer und Hanns Eisler von und mit Peter Schweiger (Sprecher) und Petra Ronner (Klavier)

Wir eröffnen den Abend mit einer biografischen Kostbarkeit. Inmitten des ersten Weltkriegs reist Karl Kraus mehrmals mit seiner Geliebten, der Gräfin Sidonie von Nádherny, nach Tierfehd im hintersten Glarnertal. Diese Liebe ist ihm Antrieb für seine unermüdliche und unerbittlich satirische  schriftstellerische Arbeit.

Das Kernstück der Auswahl ist ein Brief von Rosa Luxemburg, den Kraus öffentlich vortrug und der eine polemische Anwort einer anonymen Adeligen aus Innsbruck nach sich zog. In der nächsten ‚Fackel‘ zog Kraus mit allen Mitteln seiner Empörung darüber her, wobei er ohne Rücksicht auf politische Korrektheit sich als Humanist ersten Ranges behauptete.

Ein Film von 1926 zeigt den leidenschaftlich Vortragenden bei der Lektüre eines Inserates aus der ‚Basler Zeitung‘, das zum erlebnisreichen Besuch der Schützengräben in Verdun und Ypern animiert.

Ein weiterer Schwerpunkt bildet das Schweigen von Karl Kraus angesichts der Machtübergabe an Adolf Hitler 1933, den er bereits 10 Jahre vorher  als gemeingefährlich erkannt hatte. Ein erschütternder Versuch gegen einen Totalitarismus anzuschreiben, wie er derzeit überall in Europa wieder im Entstehen begriffen scheint.

Bei den Musikstücken handelt es sich um Couplets aus Operetten von Jacques Offenbach (1819-1880), denen Kraus für seine Vorlesungen jeweils eigene „Zeitstrophen“ zu aktuellen Anlässen anfügte. Ausserdem erklingen Klavierstücke des Wiener Matthias Hauer (1883-1959), sowie Klavierarrangements der Bühnenmusik von Hanns Eisler (1898-1962) zu Karl Kraus‘ „Die letzte Nacht“, dem Schlusskapitel der „Letzten Tage der Menscheit“.

Karl Kraus (1874-1936) studierte Philosophie und Germanistik in Wien. Er wirkte als Dramatiker, Lyriker und Vortragskünstler. Als Kulturkritikergehört er zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum des 20.Jahrhunderts. 1899 gründete er die Zeitschrift „Die Fackel“, die bis 1936 auf einen Gesamtumfang von über 20’000 Seiten angewachsen war. Lebenslang kämpfte er in seinen Schriften Nacht für Nacht gegen Untertanengeist, gegen eine obrigkeitshörige Justiz, gegen eine meinungsmanipulierende Lügenpresse und gegen Sprachverlotterung. Mit dem Vortragen eigener Texte und teils vollständiger Werke von Shakespeare, Nestroy oder Offenbach erreichte er in hunderten von abendfüllenden Vorlesungen mit charismatischer Sprach- und Ausdruckgewalt begeistertes Publikum in Wien, Berlin, Prag, München, Zürich und Paris.

Hörproben

Aphorismus und Strophe aus dem Couplet „Scharlatan“ von Jacques Offenbach (deutsche Übertragung: Karl Kraus; Klavierauszug: Georg Knepler)

 

Strophe aus dem Couplet „Wie Spreu im Sturme“ von Jacques Offenbach (deutsche Übertragung: Karl Kraus; Klavierauszug: Georg Knepler)

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MUSIKALISCHES GIPFELTREFFEN HAITI – APPENZELL

Mittwoch, 1.April 2020 | Das Konzert ist abgesagt!!

Bar offen ab 19.00 Uhr
Konzert 20.00 Uhr

Eintritt: Kollekte

Wooly Le Chanteur des Poètes Haïtiens und Ficht Tanner Bassgeige und Stimme

Wooly Saint Louis Jean, Sänger, Gitarrist und Komponist ist in Port au Prince bekannt als Musiker, jener, der die Poesie in die Strassen trägt. Wooly  singt und spielt die Texte der haitianischen Poeten – Lyonel Trouillot, Syto Cavé, Gary Victor und viele andere. In einem Land, in dem Viele nicht lesen und schreiben können eine wichtige Mission! Man kennt Wooly aber auch als „Le Brassens Haitien“ – er liebt und interpretiert Georges Brassens, Boris Vian, Henry Salvador….. 

Das Appenzeller Urgestein Ficht Tanner, hierzulande bekannt, begleitet Wooly auf seiner Bassgeige und mit Gesang. Im Lauf der Zeit haben die Beiden zu einer sehr eigenen Art der interkontinentalen Verständigung gefunden, dass es eine Lust ist zuzuhören…

Heuer gibt es nur zwei Auftritte in der Schweiz: in Zürich am 30. März und im Palais Bleu in Trogen am 1. April – sans blague!

Wir freuen uns auf zahlreiche Liebhaber und Freundinnen der Poesie und der Musik!