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martha schefer, die scharlach-geschichte
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ich war da oben, im so genannten «chöcheli», wissen sie wo das ist? hinten im neubau, neben dem gebährzimmer hat es doch ein kleines zimmerchen? eben, um dieses handelt die geschichte. also, das war – glaube ich – im 1944. da hatte man scharlach, zum teil. und auch in trogen gab es einen knaben, der hatte scharlach. er war bekannt mit uns. eines tages schaute diese mutter aus dem fenster und sagte: «denket emol, min willi hät scharlach!». ich war in diesen sommerferien grad mal zu hause und ich war krank und mir war einfach nicht recht wohl. es war einfach noch richtig ausgeheilt. sonst hätte ich immer in die ferien dürfen in ein anderes ort und wäre das erste jahr mal hier gewesen, am 1. august. das wäre die vorgeschichte. und dann rufe ich nur: «dä arm willi chan nöd ämol am 1. august dähääm si, dass er cha d’feuerwärk luägä!». ich war eine zweitklässlerin damals und er ein viertklässler. dann wurde ich wieder krank und bekam einen ausschlag. sie dachten es sei masern. an einem sonntag, dem 31. juli, kam der arzt nach hause und sagte: «so, jüngferli, dich nimm i grad mit in spital. du häsch scharlach!». es ist ja wahnsinnig eng, dieses 15: es war das zimmer 15. willi hatte sein bett quer und ich hatte so ein halbes kinderbettchen, ein grösseres. weil es damals noch kein penizilin gab, mussten wir sechs wochen in diesem kleinen kämmerlein sein. wir wirklich eingepfercht in diesem zimmerchen und durften nicht mehr raus. aber die eltern durften auf besuch kommen, aber nur bis unter die türe. wegen der ansteckungsgefahr. wir hatten zu hause ein papeterie. damals hatte es noch ziemlich viel militär in trogen. die durften nicht mehr in den laden kommen. und dann kam ein mann und hat den ganzen laden desinfiziert, und das haus auch. ich war viereinhalb wochen mit diesem bub zusammen im spital, bevor er nach hause konnte. mit der zeit wurden wir «purlimunter». man war nicht mehr krank, in dem sinne, doch man musste hier bleiben, wegen der ansteckungsgefahr. wir waren recht lebhaft, in diesem kleinen zimmerchen. und was wir alles «bosget händ»! als wir hier waren, bekamen der vater von emmanuel sturzenegger und noch drei, vier in trogen die kinderlähmung. deshalb wurde der spital gesperrt. niemand durfte mehr auf besuch kommen. und wir goofen waren dort oben eingesperrt! einmal nahmen wir einen schnur und befestigten daran einen fleischhacken. wir fertigten eine schachtel, die wir, eingehängt am hacken, runter liessen. und wenn die eltern oder sonst war kam, taten sie früchte und andere dinge rein, und wir haben es hochgezogen. unter uns war einer mit kinderlähmung. das war unser feind. wir waren gerade in dieser «lustig-ist-das-zigeunerleben»- bzw. «feind-und-räuber»-phase. einmal bestellten wir sagemehl und liessen es zu seinem fenster runter. da bekamen wir wieder mal schimpfe. aber wir hatten auch eine krankenschwester und einen arzt, die uns liebten. wir gehörten mittlerweile einfach zum inventar. einmal liessen wir ihm einen regenwurm runter am hacken, so einen dicken wurm! er hatte jeweils bestellt, der willi, bei seinen kollegen und ich hatte die ideen. nach dem sagemehl-streich, fanden wir, wir seien schon etwas zu frech gewesen, und liessen ihm kirschen runter. da hatte er uns die angel fest gemacht. das weiss ich noch. und sie haben gerufen, wir sollten loslassen. eben, das waren solche geschichten. als ich alleine war, durfte ich einmal auf die terrasse. und plötzlich steht der lehrer da, der lehrer! und bringt mir aprikosen! das der das durfte! und einmal kam der doktor, der vom operationssaal. der hatte so freude an uns. in seiner gummischoss sah er aus wie ein metzger. und ich dachte: jesses was schneidet er uns echt raus? (lacht) er kam im operationsgewand in unser zimmer! das war paradox! man hat jeweils gesagt, das sei das absonderungszimmer, das totenzimmer. man hatte dahin wirklich die leute gebracht zum sterben, in diesen kleinen raum. als der bub nach hause durfte, das kann ich ja jetzt erzählen, sagte er, er wolle nicht, dass alle sein «pfifäli» sähen. darum nahm er diesen klebstreifen, den es früher gab: packpapier, wissen sie? ich sehe sehe ihn heute noch mit diesem packpapier... (lacht). und die schwester, hatte es fast «vertätscht» vor lachen. dann war ich nochmals hier wegen den mandeln, mit 20 musste ich sie operieren. und einmal kaiserschnitt. und einmal normale geburt. das hintere gebährzimmer gab es damals noch nicht. ich habe im zimmer oberhalb der haustüre geboren. ein kinderzimmer, eigentlich. ich musste drei tage vor der geburt in das spital. es war eine frühgeburt. schon mit 8 monat setzten die wehen ein. sie dachten sie können es wieder beruhigen. doch es wurde jede nacht noch schlimmer. mein mann sollte am sonntag vormittag fort und ist noch gekommen. da sagt ich ihm, dass es wohl nicht mehr lange gehe. das war eine verrückte nacht. ich hatte wasser verloren. und man wusste nicht was es ist. dann holten sie die hebamme von der kirche und der doktor kam. der sagte, bis am abend werde das kind dann schon da sein. ich dachte, was nochmals so lang. die schwester schickte meinen mann nach hause zum mittagessen und gab mir rhinizirus-öl. und dann ist natürlich alles weg und die geburt fing an. man rufte meinen mann, und ich sah ihn hierher springen. er – ein guter turner – flankte über den zaun und rannte gerade die wiese hinunter und in die türe rein, als werdender vater. das war einfach schön zu sehen, wie er daher raste, so sportlich. zack – für das erste kind. das ist so das, was ich erzählen wollte.
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